Poetry Slam in der Schule

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Datum:
29. Juli 2021
Von:
Jakob Riffelmacher

In den letzten Stunden des Deutschunterrichts vor den Sommerferien haben die Schülerinnen der Klasse 8c jeweils eigene Poetry-Slams erarbeitet, von denen einige vor der Klasse vorgetragen wurden. Wie es sich für einen richtigen Slam gehört, folgte darauf unter Berücksichtigung der Bewertungskriterien Thema, Performance und Stilmittel die Abstimmung über das gelungenste Werk. Mona Gisbert hat mit dem folgenden Text und gelungener, freier Performance das Rennen gemacht.

 

Ich stelle dir jemanden vor...

Ein Poetry Slam von Mona Gisbert (Klasse 8c)

Ich stelle dir jemanden vor, einen Freund, einen unbekannten Freund, er kann alt sein, er kann jung sein, er kann groß sein, er kann klein sein. Aber er ist immer groß genug, um hinter dir zu stehen, wenn du Fehler gemacht hast.

Er hält dich fest, wenn du vor dir fliehen willst, er fängt dich auf, wenn du fällst, er tröstet dich, wenn du Angst hast. Lass niemanden daran zweifeln.

Und noch sagst du: Wer? Der alte da oben mit dem weißen Bart, den gibt’s doch gar nicht. Doch irgendwann, irgendwann wird der Moment gekommen sein, in dem du erkannt hast, du hattest unrecht, es gibt ihn, du musst es nur wollen und daran glauben.                                         

Er ist wie ein unbekannter Freund, also lern ihn kennen, nein lern ihn lieben, ihn deine unbekannte Hilfe, sieh ihn als dein Lexikon, deinen Wunscherfüller, sei nicht beim ersten Versuch, ihn zu erreichen deprimiert, er ist ein viel beschäftigter Mann, gib dir Zeit, gib ihm Zeit und wenn du ihn erreicht hast, dann schütte ihm dein Herz aus, du wirst sehen, geteiltes Leid ist halbes Leid.

Und noch sagst du: Wer? Der alte da oben mit dem weißen Bart, den gibt’s doch gar nicht. Doch irgendwann, irgendwann wird der Moment gekommen sein, in dem du erkannt hast, du hattest unrecht, es gibt ihn, du musst es nur wollen und daran glauben.                                         

Nimm dir zehn Minuten Zeit und denk an ihn, denk mit ihm über Dinge nach, die dich verletzen, dich traurig machen. Sei es Schmerz oder Liebe, ganz egal, denn er ist omnipotent.

Er ist gut, nein besser als gut, lass Gott auf dich wirken, wie das Wasser auf den Baum, die Tablette auf die Schmerzen, wie die Seife auf den Dreck. Er, der unbekannte Freund, hilft nicht nur mir, er hilft auch dir, nein uns, nein allen. Lass niemanden daran zweifeln.

Er ist seine eigene unbekannte Rasse, lass uns hinausgehen, sie entdecken, sie kennen und lieben lernen.

Lass ihn deine Sorgen erdrücken, wie die Wärme die Kälte, der Mut die Angst, der Frühling den Winter. Lass niemanden daran zweifeln.

Und noch sagst du: Wer? Der alte da oben mit dem weißen Bart, den gibt’s doch gar nicht. Doch irgendwann, irgendwann wird der Moment gekommen sein, in dem du erkannt hast, du hattest unrecht, es gibt ihn, du musst es nur wollen und daran glauben.                                         

Lass ihn dir nicht erst am Ende deiner Tage helfen, wenn du alt und faltig bist, lass seine Hilfe jetzt zu, wo du noch dein ganzes Leben vor dir hast.

Ja, ja du hast Recht, er erfand vielleicht nicht die Welt, die Erde, dich, doch er erfand das Wort Hilfe ganz neu, er ist unterstützend, hilfsbereit, aufmunternd.

Aber er kann dir nicht helfen, wenn er nicht weiß, dass du Hilfe brauchst. Also wende dich mit deinen Problemen an ihn, egal ob klein oder groß. Und zeige keine Scheu, ihm ein dir banal vorkommendes Problem vorzulegen, denn es ist nicht unwichtig, nichts was dich bedrückt ist unwichtig. Lass niemanden an sich zweifeln.

Und noch sagst du: Wer? Der alte da oben mit dem weißen Bart, den gibt’s doch gar nicht. Doch irgendwann, irgendwann wird der Moment gekommen sein, in dem du erkannt hast, du hattest unrecht, es gibt ihn, du musst es nur wollen und daran glauben.

Nun hör gut zu, denn ich sage dir, versuch es wenigstens und bitte Gott um Hilfe, er kann jedes deiner Probleme lösen, wenn du nur daran glaubst.

Denn es hat lange nichts eine so große Kraft wie die Hilfe Gottes.

Seine Hilfe ist schön wie der Duft der Rosen, die Farbe des Sonnenuntergangs, die Stimme einer geliebten Person.     

Und schon bald wirst du sagen: Der nette Alte mit dem weißen Bart, ja, er hat mir geholfen, er ist die Krücke für dein gebrochenes Bein, der Techniker für dein kaputtes Handy, der Fels in der Brandung, wenn wir auf den Club anspielen möchten, doch das lassen wir jetzt. Denn dann ist der Moment gekommen, in dem du erkannt hast, du hattest Unrecht, er existiert, als dein unbekannter, nein, bekannter Freund.